Nachholbedarf für die Kinobranche: Die EU sagt dem Plastikmüll den Kampf an

plastic-ocean-film
„A Plastic Ocean“: der vielleicht wichtigste Film des Jahres 2017 (Foto: Verleih)

Berlin – Nachdem EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger eine Plastiksteuer ins Gespräch  gebracht hat, gibt EU-Kommissionsvizepräsident Frans Timmermans nun eine politische Strategie vor: „Wir müssen verhindern, dass Plastik in unser Wasser, unser Essen und sogar unsere Körper kommt.“ Auf eine ambitionierte Strategie hat man sich in Brüssel bereits verständigt. Die neue Abfallrichtlinie erhöht die Recyclingraten für Verpackungen bis 2025 auf 65 und bis 2030 auf 70 Prozent. Über die Pläner berichten zahlreiche Medien wie das Manager Magazin, die FAZ und das ZDF.

Walter Spruck, Experte für Nachhaltigkeit in Kultur und Tourismus
Walter Spruck, Experte für Nachhaltigkeit in Kultur und Tourismus

„Die Kinobranche, die beim Thema Nachhaltigkeit anderen Brachen bisher hinterherhinkt, wird sich in den kommenden Jahren ihrem Nachholbedarf stellen müssen“, so Walter Spruck vom Institut für Nachhaltigkeit in Kultur und Tourismus. „Wer Nachhaltigkeit als nice-to-have ansieht, wird sich schon bald wundern. Längst ist Nachhaltigkeit ein Erfolgsfaktor, der sich heute schon betriebswirtschaftlich rechnet und noch viel stärker rechnen wird.“

Auf der Kinoleinwand ist das Thema längst angekommen: Seit Januar 2018 zeigt der Dokumentarfilm A Plastic Ocean in eindrucksvollen Bildern, wie dramatisch das Plastikmüll-Problem in den Meeren wirklich ist – und erinnert uns daran, welch zerstörerische Folgen unsere Wegwerf-Kultur für den Planeten hat. Doch der Film zeigt auch Technologien und politische Lösungen, die das Potenzial haben, die Situation zu verbessern

Lob von Naturschutzverbände

Naturschutzverbände begrüßen den in Straßburg von der EU-Kommission vorgestellten Vorschlag für eine Plastikstrategie und fordern die Pläne zur Eindämmung des Plastikabfalls nun zügig umzusetzen. „Die Vermeidung von Einweg-Plastik muss an erster Stelle der zukünftigen politischen Maßnahmen stehen, denn 31 Kilo jährlicher Plastikmüll pro EU-Bürger sind zu viel“, so sagt NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Nach dem Willen der EU-Kommission sollen alle Plastikverpackungen in der EU bis 2030 recycelbar werden, der Verbrauch von Einwegplastik eingedämmt.

Auch Deutschland wird von der Plastikflut überschwemmt. Der NABU will der zukünftigen Bundesregierung, egal welcher politischen Couleur, genau auf die Finger sehen, so dass sie klare Reduktionsziele von Einwegprodukten aus Plastik vorgibt und Hersteller beim recyclingfreundlichen Design von Kunststoffen stärker in die Pflicht nimmt. „Ein ökologisches Maßnahmenbündel muss die Einführung einer Getränkeverpackungssteuer zur Stärkung von Mehrwegverpackungen und eine dynamische Quote beinhalten, die den Einsatz von recycelten Kunststoffen in neuen Produkten und Verpackungen vorschreibt“, so Roth.

Plastikmüll nimmt zu

Der weltweite Plastikverbrauch ist in den vergangenen Jahrzehnten explodiert. Während Mitte der 60er Jahre noch etwa 15 Millionen Tonnen jährlich genutzt wurden, sind es heute mehr als 310 Millionen Tonnen pro Jahr . Nach aktuellen Schätzungen wird sich der Konsum bis 2050 noch einmal vervierfachen. 40 Prozent der Plastikproduktion gehen auf die Verpackungsbranche zurück, wo es ein großes Vermeidungspotenzial gäbe. 90 Prozent des Plastiks besteht aus fossilen Energieträgern und mittlerweile werden sechs Prozent des weltweit geförderten Erdöls zu Kunststoff verarbeitet.

In der EU werden 40 Prozent der Haushaltsabfälle aus Plastik verbrannt, der Rest wird recycelt oder deponiert. Fast die Hälfte des EU-Plastikmülls wurde bisher nach China exportiert, doch die chinesische Regierung hat im Januar weitgehende Importstopps eingeführt. Um die ökologischen Probleme von Kunststoffen anzugehen, sind die EU-Institutionen in der finalen Abstimmung über ein Maßnahmenbündel aus neuen Abfallrichtlinien mit höheren Recyclingquoten, das so genannte Kreislaufwirtschaftspaket sowie über die Plastikstrategie. Schwerpunkte der Strategie sind die Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen, die niedrigen Recycling- und Mehrwegquoten von Plastik und dessen Anwendungen sowie die Vermüllung von Land und Meer durch Kunststoffe.

 

Quelle: red/nabu

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.